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Imaginary storys

Der Zug

Ich laufe zum Bahnhof.
Wie ich es schon so oft getan habe und es auch noch so oft tun werde. Ich spüre kalten Wind auf meinem Gesicht. Er wischt mir vorübergehend die Haare aus den Augen. Ich sehe in der Ferne eine Laterne. Sie scheint in der sonst so makellos schönen Dunkelheit eine Insel der Realität zu bilden. Sie erfüllt ihren Zweck und beleuchtet schwach in einem orang-künstlichen Licht die Bushaltestelle.
Bushaltestelle…
Allein das Wort, die Tatsache das dort, an dieser Stelle Busse halten…mit Busfahrern…Männern, deren innerstes fast nie zum Vorschein kommt, deren Körper und Seelen schon lange zu einer ebenso effektiven wie auch langweiligen Maschinerie geworden sind, wie der Bus selbst.
Meine Hände verkrampfen. Die Finger bilden mit den Nägeln regelrecht Klauen, die sich ins eigene Fleisch bohren. Jedes Mal, wenn meine Hände sich so zu Krallen verwandeln, habe ich den untrüglichen Eindruck, die Fingernägel würden durch meinen bloßen Hass und durch mein Verlangen gefährlicher zu sein, wachsen. Ich kann es spüren, wie sie länger werden…nur wenige Millimeter…
Ich gehe weiter auf den Lichtkegel zu, den die Laterne wirft. Verlasse den Schutz der Dunkelheit, die ich so lieben gelernt habe. Nur wenige Meter von der Haltestelle entfernt befindet sich der Bahnhof. Still und verlassen liegt er um diese Uhrzeit in der Dunkelheit. Beleuchtung ist nur spärlich vorhanden, was ich sehr begrüße. Ich ziehe den Wollkragenverschluss meiner Jacke höher, bis nur noch meine Augen zu sehen sind. Ich fühle mich sicherer. Ich gehe die Unterführung zu Gleis 2 entlang. Eine ältere Frau, vielleicht an die 45 Jahre, steht wie jeden Morgen im Schutz des Treppenaufgangs zu den Gleisen. Wie jeden Morgen mit ängstlichem Blick. Ich trete auf den Bahnsteig hinaus und lasse die Frau hinter mir. Ein Blick auf die Uhr. In der Ferne blendet etwas auf. Der Zug ist da. Langsamer werdend fährt er in den Bahnhof ein. Ich sehe ihn näher kommen. Noch ist er schnell genug. Ich werfe einen letzten Blick zurück auf in der Dunkelheit verborgenen Bänke. Die Bushaltestelle. Plötzlich schäme ich mich für die Gefühle die ich in Verbindung mit der Haltestelle hatte. Ich fühle mich furchtbar und sehe innerlich die Gesichter meiner besten Freunde vor mir. Ich denke das diese Menschen interessant sind. Ich suche mir grundsätzlich die Interessanten heraus. Aber sie sind jetzt nicht hier. Im Grunde wissen sie nicht wie ich fühle. Sie denken sicher ich würde gar nicht fühlen. Wieder verkrampfen sich meine Hände. Und diesmal spüre ich neben dem Schmerz in meinem Kopf auch noch einen anderen, realeren Schmerz. Etwas heißes rinnt meine kalten Handgelenke herab, bildet ein Rinnsal und tropft geräuschlos auf meine Hose. Ich blicke langsam an mir herab und erkenne gerade so in der Dunkelheit, das es von roter Farbe ist, was sich da seinen Weg aus den angeschnittenen Adern, den kaum verheilen wollenden Wunden meiner Unterarme in die Freiheit bahnt. Ich fühle, wie jedes Mal eine Schwäche und Schwindeligkeit. Ich fühle, wie sich das Blut in meinem Körper von allen Stellen zurückzuziehen scheint, um genau an diesen Stellen wieder hervortreten zu können. Kalter Schweiß steht mir auf der Stirn. Der Zug kommt näher. Ein quietschendes Geräusch ertönt, das den Einsatz der Bremsen signalisiert. Noch ist er schnell genug.
Ich drehe mich dem Gleis zu und wende mich gleichzeitig von der Welt ab.
Es ist so einfach. Ich habe noch nie vor so einer einfachen Lösung gestanden. Warum habe ich sie zuvor nie wahrgenommen?
Noch ist er schnell genug.
Ich trete einen Schritt nach vorne. Blankes, nacktes Licht fällt von der spärlichen Bahnsteigbeleuchtung auf einen Teil meiner Hose. Nun kann ich sehen, wohin das Blut geflossen ist, welche interessanten Windungen es gegangen ist um sich von meinem Körper zu entfernen. Offensichtlich bin ich nicht die einzige Person, der das nun auffällt. Ein entsetzter Laut hinter mir zeugt davon, das auch die Dame an der Treppe entdeckt haben muss, was ich schon lange kenne. Sie spricht mich an. Ich reagiere aber nicht. Ich höre ihr überhaupt nicht zu. Mit einem kurzen Blick schätze ich die Entfernung der Frau zu mir und die Geschwindigkeit und Entfernung des Zuges ab.
Noch ist er schnell genug.
Die Dame eilt nun doch auf mich zu. Es ist zu spät.
Ich habe mich entschieden.

Denn noch ist er schnell genug.
Laylor am 4.5.06 16:01


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